Für den eigenen Tod vorsorgen by Dada Peng

Bewussster Umgang mit Tod und Sterben

Sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst zu sein und für den eigenen Tod Vorsorgen zu treffen, ist für viele Menschen eine Last, ein Angstfaktor, den es zu verdrängen gilt. Denn der bewusste Umgang mit dem Tod führt vielfach dazu, dass das eigene Leben schöner, intensiver und bewusster gelebt wird, gelebt werden kann. Nur wer sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst ist,  kann auch bewusst leben. Das Leben seinen eigenen Bedürfnissen entsprechen gestalten. Nicht irgendwann, aber jetzt. Ich habe mich irgendwann, es war kein Tag sondern ein Prozess, entschieden, dass ich mein Leben so leben, so ordnen möchte, dass mein letzter Tag zu jeder Zeit kommen kann. Ich möchte einen leeren Keller, eine geplante Beerdigung, einen Koffer voller Erinnerungen und keine offene 2do_Liste haben.

Es begann eigentlich damit, dass ich keine Freude mehr an Besitz finden konnte. Jede Kiste im Schrank, jedes ungetragene Kleidungsstück, jedes Möbelstück, das ich nicht wirklich nutzte, schien mir nur noch Ballast zu sein. Und so begann ich mich von allen Dingen, die ich nicht zum Leben brauche, zu verabschieden. Ich schmiss ganze Kartons aus dem Keller weg, ohne auch nur einmal sie noch durchzugucken. Ich dachte, wenn ich da jetzt fünf Jahre nicht rein gesehen habe, dann werde ich die Dinge wohl auch in Zukunft nicht vermissen. Klar, wir alle möchten etwas hinterlassen, etwas das bleibt. Das können mit Sicherheit auch Dinge sein. Allerdings gibt es auch andere Möglichkeiten, Spuren zu hinterlassen. Indem man dafür sorgt, dass Menschen sich liebevoll an einen Erinnern. Durch die Weitergabe von Wissen. Indem man etwas Bleibendes schafft. Das fängt beim Kochrezept an und hört noch lange nicht bei einem Gedicht oder einer Geschichte auf.

Die eigene Beerdigung planen

Mit der Zeit kam immer mehr der Wunsch auf, auch schon jetzt für meine Beerdigung zu sorgen. Ich fand sowohl bei meinem Vater als auch bei meiner Mutter diesen Gang ins Beerdigungsinstitut sehr unschön. Hinzu kamen damals dann wirklich hohe Geldbeträge, die man erstmal aufbringen musste und vor allem auch die Not, nicht zu wissen, wie man es richtig macht.

Ich habe mittlerweile eine Sterbegeldversicherung und die Losung an meine Freunde und Familie ausgegeben: Macht es Euch so, wie Ihr es schön findet. Es ist Eure Party. Ich habe nur einen Wunsch, dass meine Freundin Miss Jessica Walker vor der Trauerhalle steht und Welcome Drinks verteilt. Na ja, und für den einen oder anderen Programm-Punkt, habe ich schon auch noch ne Idee. Aber dafür gibt es eine Liste direkt neben der Sterbegeld-Police. Warum erzähle ich Euch das? Weil ich Euch aus dieser Erfahrung, aus dieser Art zu leben heraus einfach als Info mitteilen möchte, dass wir vor dem Umgang mit dem Tod keine Angst haben müssen. Im Gegenteil! Mich befreit diese Art zu leben von Tag zu Tag mehr. Die Dinge sagen, die man sagen möchte. Die Dinge erleben, die man erleben möchte. Die Wege gehen, auf denen man gehen mag. Jetzt! Nicht irgendwann.

Angstfrei dem Tod begegnen

Nächste Woche erscheint meine CD “vom leben und sterben”. Als ich sie vor einigen Wochen erst fertiggestellt hatte, dachte ich abermals: Jetzt kann ich sterben. Alles, was ich bis jetzt zu sagen habe, ist darauf zu finden, zu hören. Und erneut empfand ich eine enorme Freiheit. Nämlich, nicht das Gefühl zu haben,  noch irgendetwas tun zu müssen. Umso mehr freue ich mich heute auf jeden neuen Tag, den ich frei von Wünschen, frei von Erfolgsdruck, frei von Angst leben darf. Und gerne dürfen es noch viele mehr werden. Mich beruhigt, dass ich mittlerweile zu meinen Freunden sagen kann: Wenn ich dann dann sterbe, müsst ihr einfach nur noch in der Wohnung kurz feucht durchwischen.

DP